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Kinder brauchen einen sicheren emotionalen Hafen

„Bindung ist für Kinder ebenso wichtig wie Luft zum Atmen oder Nahrung“, so lautete die Kernbotschaft des Fachtags „Frühe Hilfen“.

Über 250 Vertreterinnen und Vertreter von Kindertageseinrichtungen, Beratungsstellen oder sozialen Diensten folgten dazu der Einladung der Koordinierungsstelle Frühe Hilfen des Kreises Höxter und des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Warburg in die Stadthalle Brakel.

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Zufriedene Gesichter bei Gästen und Organisatoren: Das Fachtag „Frühe Hilfen“ in der Brakeler Stadthalle zum Thema frühkindliche Bindung stieß auf sehr großes Interesse. Das freute (v. l.) Rita Köllner (SAFE-Mentorin), Silke Merkel (Netzwerkkoordinatorin Frühe Hilfen des Kreises Höxter), Christiane Rutkowski (SAFE-Mentorin), Barbara Hucht (Vorstand SkF Warburg), Referent Professor Dr. Karl Heinz Brisch, Gerhard Handermann (Leiter des Fachbereichs Familie, Jugend und Soziales des Kreises Höxter) und Gertrud Flore (SkF Warburg). Foto: Kreis Höxter


Gerhard Handermann, Leiter des Fachbereichs Familie, Jugend und Soziales des Kreises Höxter, und Barbara Hucht vom SkF freuten sich über die gute Resonanz an der Fachtagung. „Verlässliche und funktionierende Bindungen sind in allen Phasen der Erziehung von Kindern und Jugendlichen unersetzlich. Deshalb möchten wir das Thema mit diesem Fachtag vertiefen“, so die Organisatoren.

Das große Interesse an der Veranstaltung galt auch Professor Dr. Karl Heinz Brisch, den die Organisatoren als Hauptreferenten gewinnen konnten. Der Münchner Bildungsforscher, Kinderpsychiater und Psychoanalytiker zählt deutschlandweit zu den renommiertesten Experten auf dem Gebiet frühe Eltern-Kind-Bindung und ihre Störungen.

Seinem Publikum machte der Referent auf informative und spannende – aber gleichzeitig auch unterhaltsame – Weise deutlich, was genau sich hinter dem Begriff Bindung verbirgt. „Wenn unser Start ins Leben gelungen ist, haben wir hoffentlich Bindungsbeziehungen zu geliebten Menschen, denen wir uns über Raum und Zeit verbunden fühlen, obwohl diese gar nicht in unserer Nähe sind. Nach diesen Menschen sehnen wir uns, wenn wir sie am Telefon hören, jedoch nicht in die Arme nehmen können. Nach ihnen ergreift uns Heimweh, wenn wir von ihnen getrennt sind“, so Brisch.

Diese Menschen seien ein „sicherer emotionaler Hafen“. „Bei ihnen fühlen wir uns wohl und geborgen. Sie sind nicht beliebig zu ersetzen“, erläuterte der Referent seinem Publikum in Brakel. Eine sichere Bindung, zum Beispiel zu den Eltern, sei ein psychischer Schutz und ein stabiles Fundament für eine gute Persönlichkeitsentwicklung und ein positives Lebensgefühl. „Sicher gebundene Kinder sind widerstandsfähiger gegen Belastungen, haben mehr Bewältigungsmöglichkeiten, leben eher in freundschaftlichen Beziehungen, sind häufiger in Gruppen, verhalten sich in Konflikten sozialer, weniger aggressiv und finden Lösungen, die ihnen weiter helfen. Sie sind kreativer, flexibler, ausdauernder, und ihre Lern- und Merkfähigkeiten, also ihr Gedächtnis, sind besser, ebenso wie ihre Sprachentwicklung“, listete Professor Dr. Brisch auf.

Am wichtigsten für die Entwicklung einer festen Bindung sei die Feinfühligkeit. Brisch: „Kinder binden sich an diejenige Person, die meistens zur Stelle ist und am feinfühligsten auf ihre Bedürfnisse reagiert oder sie tröstet. Körperkontakt spielt dabei ebenfalls eine sehr wichtige Rolle. Eine sichere Bindung wird auch dadurch gefördert, dass Eltern viel mit ihrem Kind sprechen und hierbei bereits kleine Zwiegespräche entstehen. Natürlich können sie nicht von Anfang an wissen, was die Babys meinen, doch je mehr man sich zuwendet, desto besser lernen sich beide kennen und desto sicherer wird die Bindung.“

Sein Tipp für Eltern lautete deshalb, auf die Signale ihres Kindes zu achten und prompt zu reagieren. „Ich sehe heute immer wieder junge Mütter und Väter, die, während sie den Kinderwagen schieben, telefonieren oder anderweitig abgelenkt sind. Davon rate ich dringend ab, weil sie die Signale ihres Kindes nicht bemerken“, so Brisch.

Eindringlich warnte der Referent vor Bindungsstörungen, die etwa durch massive Vernachlässigungen, Gewalt, häufig wechselnde Bezugssysteme oder Verlust von Bindungspersonen entstehen können. „Bindungen sind wie Vitamine, die gerade junge Menschen für ihre Entwicklung brauchen. Fehlen sie, treten ‚Mangelerscheinungen‘ auf“, erläuterte er. „Oft sind betroffene Kinder in ihrem Wesen gehemmter, aggressiver, unsicherer oder sie neigen später zu Abhängigkeiten, etwa von Alkohol oder Drogen.“ Zudem würden ohne funktionierende Bindungen häufig nicht genügend Wachstumshormone und Nervenzellen gebildet, was die Kinder körperlich beeinträchtige. Eine sichere Bindung sei hingegen ein Garant dafür, dass Eltern große Freude an ihrem Kind haben würden, meinte Referent Brisch.

Das Projekt „SAFE“ für Eltern
Das Projekt „SAFE – Sichere Ausbildung für Eltern" wurde von Professor Dr. Brisch entwickelt, um (werdende) Eltern darin zu unterstützen, bereits ab der Schwangerschaft eine sichere Bindung zu ihrem Kind aufzubauen. Hierbei liegt der Schwerpunkt darauf, Eltern zu befähigen, die emotionalen Bedürfnisse ihrer Kinder und deren „Babysprache“ besser wahrzunehmen, die Signale richtig zu verstehen und durch feinfühliges Verhalten die Bindungsentwicklung ihres Babys zu fördern. Nähere Informationen zum SAFE-Programm gibt der Sozialdienst katholischer Frauen Warburg unter der Telefonnummer 05641 / 74 78 28 0 oder der E-Mailadresse info@skf-warburg.de. Das Programm wird finanziert durch die Frühen Hilfen Kreisjugendamt Höxter.